Das Färben mit Indigo

Indigo ist eines der seltenen Beispiele für einen pflanzlichen Farbstoff, der erst durch spezielle Verfahren aus der Pflanze gewonnen werden muss.

Isatis tinctoria Gewinnung des Farbstoffs

Färberwaid Indigo kann aus verschiedenen Pflanzen gewonnen werden. Der in Europa verbreitete Färberwaid (Isatis tinctoria) ist eine solche, er enthält aber deutlich weniger "Farbstoff" als indische Indigopflanzen (Indigofera-Arten).

Die Blätter des Färberwaids wurden in einer Mühle zerquetscht, auf einen Haufen geschichtet und etwa zwei Wochen liegen gelassen. Aus dem dann angegorenen Pflanzenbrei wurden Kügelchen geformt, die getrocknet und an die Waidhändler verkauft wurden. Diese liessen die Kugeln mit Urin anfeuchten und setzten so eine erneute Gärung in Gang. Die angefeuchteten Kugeln wurden noch bis zu zwei Jahre in Lagerhäusern untergebracht.

Zur Herstellung der Farbbrühe gab man die Kugeln bei 60C in eine Pottasche-Urin-Lösung. Nach etwa drei Tagen bildete sich dann die Färbelösung. Der Vorgang konnte durch "Schlagen" der Lösung mit Holzstöcken, wodurch Sauerstoff eingebracht wurde, beschleunigt werden. Schöpft man den sich bildenden blauen Schaum ab und trocknet ihn, so erhält man den Indigo als wasserunlöslichen Farbstoff.

Die Küpenfärbung

Wenn man nicht direkt aus der Herstellungslösung färben will, muss der mühsam gewonnene Indigo erst wieder aufgelöst werden. Dazu gibt es viele Verfahren, nach denen dann die jeweilige Küpenart benannt wurde. Das im frühen Mittelalter wohl am häufigsten angewendete Verfahren war die Urinküpe.

Dazu wird Urin gesammelt und einige Wochen stehen gelassen und filtriert. Diese Flüssigkeit wird erwärmt und sich bildender Schaum abgeschöpft. Nach der Abkühlung auf etwa 40 C gibt man den festen Indigo hinzu und lässt die Lösung etwa 12 Stunden stehen. Dabei zersetzt sich der Urin und bildet Stoffe, die den Farbstoff zu seiner nur schwach gelblichen, löslichen Form reduzieren können.

Die Flüssigkeit ist durch den bei der Zersetzung ebenfalls entstandene Ammoniak alkalisch, so dass der Farbstoff besonders gut gelöst wird. In die so vorbereitete Küpe wird das Färbegut eingebracht und die Küpe so lange geschlagen, bis sich an der Oberfläche blaue Schlieren zeigen. Das Färbegut wird herausgenommen und an der Luft zum Trocknen aufgehängt. Durch den Sauerstoff der Luft bildet sich die leuchtend blaue Farbe des Indigo, der nun fest an der Faser haftet.

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